Guy Coker: Der digitale Funkpionier | Teil 2
   


Im ersten Teil war die Rede von den Herausforderungen, vor denen analoge Funksysteme stehen. Hier erläutert Guy Coker die Vorteile eines digitalen Ansatzes im allgemeinen und der von Line 6 entwickelten Lösung im besonderen.

Welche Vorteile hat ein digitales Funksystem?

Ein digitales Funksystem mit einer Auflösung von 24 Bit kann das Instrumenten- oder Gesangssignal 100% naturgetreu abbilden. Man könnte es mit einer Aufnahme in einem hochkarätigen Studio vergleichen: Der Gesang bzw. das Instrument klingt auf Anhieb edler und überzeugt auch auf der heimischen Stereoanlage noch. Da nur binäre Zahlenabfolgen vom Sender zum Empfänger übertragen werden, sind Fehler nahezu ausgeschlossen.

Alle Signale, die beim Empfänger ankommen, klingen daher genau wie an der Quelle, d.h. unmittelbar vor dem Sender. Es ändert sich weder etwas am Dynamikumfang, noch am Frequenzgang. Der Dynamikumfang beträgt übrigens 120dB und selbst die tiefen Bassfrequenzen sind beim Empfänger noch im Signal erhalten.

Auf welcher Philosophie beruht dein Ansatz und wo findest du die Inspiration für die Entwicklung neuer digitaler Funkgenerationen?

Mein Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass unser Funksystem vor allem schnell und unauffällig funktionieren muss. Deswegen liegt der Schwerpunkt bei der Automatisierung immer weiterer Handlungsabläufe.Im Gegensatz zu analogen Ansätzen erledigen die digitalen Funksysteme von Line 6 viele Dinge automatisch: Einstellen des optimalen Signalpegels und Fremdspannungsabstands, Wahl der Sendefrequenz, Frequenzstreuung, Anzeige der Batterielaufzeit usw. Anwender unserer Systeme benötigen kein technisches Fachwissen, um ein überzeugendes Ergebnis zu erzielen.

Warum senden die XD-V-Systeme auf dem 2,4GHz-Band?

Die Wahl des 2,4GHz-Bandes ist auf die Überlegung zurückzuführen, dass unser System weltweit lizenzfrei funktionieren muss. Man braucht sich also keine kostenpflichtige Nutzungslizenz zu besorgen. Bei anderen Funksystemen kann es passieren, dass sich eine Band während einer Tour mehrmals das Nutzungsrecht für bestimmte Frequenzen kaufen muss. Bei einem relativ kleinen Budget wird so etwas kostspielig. Ganz abgesehen davon ist es natürlich schön, wenn man sich über Frequenzen usw. keine Gedanken zu machen braucht.

Hinzu kommt, dass das 2,4GHz-Band nicht von Fernsehsendern, Handymasten usw. gestört werden kann. An dieser Stelle möchte ich noch schnell mit einem Vorurteil aufräumen: Der Sender und Empfänger brauchen nicht unbedingt in Sichtkontakt zueinander zu stehen.

Kannst du etwas zu den Funktionen und exklusiven Digital-Technologien wie DCL™ sagen, welche die Signale der XD-V-Geräte vor WiFi- und anderen Interferenztypen schützen?

Wir verwenden ein selbst entwickeltes Funkprotokoll, das nur von unseren Systemen erkannt wird. Unser System betrachtet Funksignale, die unser Protokoll nicht enthalten, als Rauschen. Ganz gleich, wie viele Signale gleichzeitig durch die Luft schwirren – sie werden von unseren Systemen ignoriert, weil sie “eine andere Sprache sprechen”.

Kannst du uns erklären, was ‘Frequenzstreuung’ ist und inwiefern die digitalen Funksysteme von Line 6 anders damit umgehen?

Frequenzstreuung (engl. “Diversity”) bedeutet, dass die Funksignale auf mehreren Kanälen gleichzeitig gesendet werden, was die Zuverlässigkeit erhöht. Die meisten analogen Systeme sind mit zwei Antennen ausgestattet, deren Empfangssignale in gewisser Hinsicht summiert und anschließend ausgewertet werden. Bei einem Streuungssystem ist es in der Regel so, dass immer nur eine Antenne ein gutes Signal empfängt, die andere aber nicht. Die Signalqualität ist fast nie dieselbe bei beiden Antennen, allerdings schwankt sie fortwährend. Problematisch wird dies in Momenten, in denen die Signalqualität umschlägt, d.h. wenn das gute Signal plötzlich nachlässt und das andere gleichzeitig besser wird. Das führt zu Rauschen und Übersteuerung.

Unsere Systeme enthalten dagegen zwei Empfänger, die nur jeweils die Signale “ihrer” Antenne auswerten. Wie vorhin erwähnt, empfängt eine Antenne dann “gute” Daten und die andere “schlechte”. Sie werden aber nie summiert. Vielmehr erfolgt die Umschaltung zwischen dem guten und weniger guten Datenstrom in Echtzeit.

Wir gehen aber noch einen Schritt weiter, indem wir regelmäßig die Frequenzen ändern. WLAN-System arbeiten stationär – wir dagegen wechseln regelmäßig zu anderen Frequenzen. Analoge Funksysteme benötigen einen freien Kanal (d.h. mehrere Frequenzen). Wir dagegen bewegen uns ständig hin und her und deshalb daher weniger störanfällig.

Im letzten Teil dieser Serie erzählt uns Coker, was Anwender von den Mikrofonmodellen und weitere Funktionen halten.