Dino Cazares der Fear Factory reist mit leichtem Line 6-Gepäck und spielt trotzdem beinhart
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Dino Fear Factory Seit Erscheinen des Albums “The Industrialist” im Juni spielt die einflussreiche Industrial Metal-Band Fear Factory in der ganzen Welt – zwischen San Francisco und Schweden. Kurz vor Beginn der “World Industrialist”-Tour hat uns Cazares erklärt, wie er es schafft, mit leichtem Gepäck zu Reisen und trotzdem einen beinharten Sound zu präsentieren: Mit einem Line 6® POD® HD Pro Multi-Effektprozessor und dem Digital-Funksystem Relay® G90. Seinen POD HD Pro schließt Cazares direkt an die Beschallungsanlage an – und braucht daher keine Boxen mitzuschleppen

Da arbeitest schon eine ganze Weile mit Line 6-Material. Wie kam es seinerzeit dazu?

Nothing was really turning me on until I tried the FlextoneDas war 1998, während einer US-Tour der Fear Factory. Wir fuhren damals mit einem alten Laster durch die Gegend, in dem sich unsere Lichtanlage sowie das ganze Musik-Equipment befanden. Eines Nachts hatten wir ihn vor einem Hotel in New Jersey geparkt. Morgens wurden wir von einem Telefonanruf aus dem Schlaf gerissen, in dem man uns mitteilte, dass der Laster mitsamt seinem Inhalt verschwunden war. Damit hatten wir auf einen Schlag alles verloren – Material im Wert von ungefähr 1 Million US-Dollar… Zum Glück waren wir versichert! \

Es dauerte aber eine Weile, bis wir uns vom Schock erholt hatten. Irgendwann besuchte ich dann endlich wieder ein Guitar Center, um mehrere Verstärker auszuprobieren. Es gab da nichts, das mir einen Kick gab – bis ich den Line 6 Flextone Top entdeckte. Ich spielte ihn an und war sofort begeistert. Er war einfach fantastisch. Den benutze ich übrigens immer noch.

Da kann man wohl davon ausgehen, dass du ein POD-Fan bist. Was gefällt dir denn so daran?

Wir fliegen kreuz und quer durch die Gegend und ich möchte überall “meine” Sounds dabei haben. Wenn man sich Equipment mieten muss, weiß man nie mit Sicherheit, was man letztendlich bekommt. Ab und zu steht der gewünschte Verstärker nämlich tatsächlich da, nur ist er so verschandelt, dass man keinen vernünftigen Sound damit einstellen kann.

Mit einem POD HD dagegen ist man sicher, dass der Sound stimmt. Schließlich klingt jedes Gerät genau gleich. In der Regel verbinde ich den POD direkt mit der Beschallungs- und Monitoranlage.

I'm using a POD direct to the PAEtwas Praktischeres gibt es nicht, wenn man dauernd unterwegs ist. Ich habe meinen POD HD Pro und ein Relay G90 Funksystem in einem 4HE-Rack verstaut. Alles, was ich für das Studio und die Live-Einsätze benötige, kann ich jetzt als Gepäck mit in den Flieger nehmen.

Ebenfalls praktisch ist, dass man den POD HD und das G90 aus dem Stand an eine 220/240V-Steckdose anschließen kann. Ich benötige also nur ein anderes Kabel bzw. einen Steckeradapter. Trafos usw. sind überflüssig.

Benutzt du den POD auch im Studio?

Während der Arbeit an unserem letzten Album habe ich bestimmte Presets in meinem POD leicht abgewandelt. Der Toningenieur hatte nämlich während der Abmischung an meinem Sound gefeilt, und diese Änderungen habe ich dann auch in meinem POD vorgenommen. Endlich kann ich live exakt dieselben Sounds anbieten wie im Studio.

Worauf basiert denn dein Live-Sound?

Ein großer Vorteil des POD HD Pro ist ja, dass man zwei Tops simultan verwenden kann. Ich benutze oft zwei Tops: Das “Cali Tread”- und “ANGEL F-Ball”-Modell [Anm. der Redaktion: “Cali Tread” basiert auf* einem 2001er Mesa/Boogie® Dual Rectifier® Solo und “ANGEL F-Ball 100” auf einem* ENGL Fireball 100]. Für beide Modelle wähle ich die geeignete Klangregelung. Das “F-Ball”-Modell hat einen kräftigeren Bass und kümmert sich daher um den Druck.

My favorite feature of the POD HD Pro is that you can run two heads at onceAlle Bearbeitungen finden im POD HD statt: Das Eingangssignal wird von einem Kompressor und einem Gate bearbeitet, das so eingestellt ist, dass es nur das Rauschen unterdrückt, aber keineswegs brutal arbeitet. Dahinter befindet sich das “Screamer”-Modell, das ich voll aufdrehe, um einen fetten Mitten-Sound zu erzielen [Anm. der Redaktion: “Screamer” basiert auf* einem Ibanez® Tube Screamer®].

Dann folgt ein weiteres Gate, hinter dem sich ein Studio-EQ-Modell befindet, mit dem ich den gewünschten Frequenzgang einstelle. Jenes Signal wird dann noch an einen weiteren EQ angelegt – und alles im POD! So einfach geht das. Die Stereo-Balance stelle ich meistens auf 25% links und 25% rechts. Wenn ich die Lautstärke dann voll aufdrehe, klingt es wahnsinnig. Beide Verstärkermodelle sind mit einem “412 Tread V-30”-Boxenmodell verbunden, die beide mit einem Shure 57 im “Off-Axis”-Winkel “abgenommen” werden – auch wieder im POD [Anm. der Redaktion: “412 Tread V-30” beruht auf einer* Mesa/Boogie® 4x12”-Box mit Celestion® Vintage 30 Lautsprechern]. Es klingt einfach geil.

Schau dir jedes beliebige Fear Factory-Video an, das wir 2012 auf YouTube veröffentlicht haben – da geht doch richtig die Post ab! Der Toningenieur findet diesen Ansatz ebenfalls klasse, weil er so pflegeleicht ist. Er braucht das von mir angebotene Signal nämlich nur noch lauter zu stellen. OK, vielleicht macht er noch etwas mit der Klangregelung, aber bestimmt nichts Gravierendes. Der Monitormixer gibt mir in der Regel die Anweisung, mein Signal ungeschönt zu übertragen. Einfacher geht es doch nicht: In 99% der Fälle brauche ich für den Live-Einsatz des POD keine einzige Einstellung zu ändern.

Kannst uns erzählen, wie du die Presets für eure Gigs einstellst?

Für unser Standardprogramm benötige ich 4 Presets, die auf unterschiedlichen Verstärkern beruhen. Bei etwas experimentelleren Gigs verwende ich 8 Presets.

Mein wichtigster Preset ist mein Rhythmus-Sound. Einen Solo-Sound habe ich natürlich ebenfalls. Ich habe mir einen Filtereffekt programmiert, der in vielen Songs zum Einsatz kommt. Dafür verwende ich das “Bomber Uber”-Modell [Anm. der Redaktion: Es beruht auf* einem 2002er Bogner® Uberschall].

Der Sound ist ziemlich abgedreht, weil der Bassbereich fast komplett ausgeblendet wird. Das klingt herrlich “LoFi” – ungefähr wie in einem alten AM-Transistorradio. Der Preset enthält übrigens auch noch einen Delay- und mehrere Modulationseffekte, die ich bei Bedarf hinzufügen kann. Reverb und andere ausgefallene Effekte kommen ebenfalls sporadisch zum Einsatz. Mit den Fußtastern meines Line 6 FBV Shortboard kann ich die Effektblöcke bequem ein- und ausschalten.

Außerdem habe ich einen coolen “Clean”-Sound, den ich in mehreren Songs benutze. Hierfür verwende ich das “Blackface ‘Lux”-Modell. [Anm. der Redaktion: Beruht auf* einem 1964er Fender® Deluxe Reverb®]]. Da sind mehrere Delay-Effekte am Start, ein ziemlich drastisch arbeitender Kompressor und ein breiter Chorus-Effekt.

POD is a lot more user friendlyWie schätzt du den POD denn im Vergleich zu anderen hochwertigen Gitarrenprozessoren ein?

Allenthalben wird ja viel über den Axe-Fx von Fractal Audio geredet. Das ist bestimmt ein tolles System, aber soundmäßig höre ich keinen Unterschied zum POD HD. Allerdings ist die Programmierarbeit beim Axe-Fx viel langwieriger. Ich habe es mal versucht und schließlich zwei Wochen mit der Programmierung eines Sounds verbracht, für den ich beim POD höchstens 10 Minuten brauche.

Meiner Meinung nach ist der POD viel anwenderfreundlicher. Er kommt schnell auf den Punkt. Der Axe-Fx verwendet eine eigene Sprache, die man erstmal beherrschen muss. Und viele Parameter sind quasi überflüssig. Daher dauert es eine Weile, bis man etwas gefunden hat, das einem gefällt.

Zeitweilig besaß ich sowohl einen Axe-Fx als auch einen POD HD. Ersterer kostet $2000 und wird von vielen vermutlich nur benutzt, weil Dweezil Zappa mal gesagt hat, dass er ihn cool findet. Der POD HD gibt einem dagegen viel mehr Bums fürs Geld.

I put my money in my pocketAls der erste POD HD erschien, habe ich ihn mir sofort besorgt und mit dem Axe-Fx verglichen. Wenig später habe ich den Axe-Fx wieder verkauft.

Du benutzt auch schon eine Weile Digital-Funksysteme von Line 6. Wie hast du die entdeckt?

Bei den ersten Fear Factory-Gigs 1992 wollte ich frei auf der Bühne herumrennen und verwendete daher ein billiges Analog-Funksystem, das meinen Sound aber zugegebenermaßen ruinierte. 1995 oder ‘96 traf ich den Mitarbeiter einer Firma namens X-Wire, und nach einem kurzen Gespräch willigten wir ein, als Versuchskaninchen für deren Systeme zu fungieren. Das System war super, weil es nichts am Sound änderte. Wir haben es jedenfalls Jahre lang verwendet, und als ich hörte, dass X-Wire von Line 6 übernommen wurde, war ich richtig glücklich.

Als das Relay-System erschien, habe ich mir zuerst das G30 und später das G50 besorgt. Aktuell verwende ich ein G90. Seine Feuerprobe bestand das System in Europa, wo wir auf riesigen Bühnen spielten. Ich glaube, du kannst dir nur schwer vorstellen, wie gigantisch dort manche Bühnen sind. Dank Relay kann man bis zu den großen Bildschirmen links und rechts neben der Bühne laufen. Wir hatten nicht einen einzigen Ausfall.

it was like being plugged in with a cable - only betterDabei muss man bei Festivals mit über 100.000 Besuchern eigentlich auf alle möglichen Probleme gefasst sein. Für das Festival wurden z.B. extra Handymasten aufgestellt und überall gab es Internetverbindungen. Trotzdem hatten wir auch nicht ein einziges Mal Interferenzprobleme.

Gibt es im Vergleich zu einer Kabelverbindung Sound-Unterschiede bei Verwendung eines Relay-Systems?

Als ich das Relay das erste Mal benutzte, stellte ich erleichtert fest, dass es nichts an meinem Sound ändert. Alle Funkstrecken, die ich bis dahin ausprobiert hatte, beeinflussten meinen Gitarren-Sound. Das musste ich immer kompensieren, indem ich meinen Amp lauter und die Klangregelung drastischer einstellte. Das Relay klingt wie bei Verwendung eines Kabels – sogar noch besser! Und schau dir den Bedienkomfort an: Man braucht es nur einzuschalten und einen Kanal zu wählen.

Dino und die Fear Factory muss man gehört haben – die “World Industrialist”-Tour ist ein Hammer. Hier findest du eine Übersicht der anstehenden Konzerttermine..

* Alle Produktnamen sind Warenzeichen der betreffenden Hersteller, die in keiner Weise mit Line 6 verbunden sind. Die Produktnamen dienen nur dem Zweck einer leichteren Identifizierung der Geräte, die als Ausgangspunkt für die Line 6-Modelle verwendet wurden.