DIE MODELING-EXPERTEN SCHAREN SICH UM EIN VERSTÄRKERGENIE.

Reinhold Bogner, der Chefdesigner von Bogner Amplification, entwickelt und baut seit jeher Röhrenverstärker und beschloss 1989, Deutschland zu verlassen. Innerhalb kurzer Zeit wurde er in Los Angeles von so einflussreichen Musikern wie Steve Stevens, Dan Huff, Allan Holdsworth, Mike Landau und Steve Vai angesprochen, die ihn mit der Modifikation vorhandener bzw. der Entwicklung neuer Verstärker beauftragten.

Seinen Legendenstatus erwarb er 1992 mit der Generalüberholung von Eddie Van Halens 1968er Marshall® Plexi. Dieser Sensationserfolg führte zur Gründung seiner eigenen Firma Bogner Amplification. Der fette und robuste Sound, die ausgeklügelten Kanalschaltungen und die damit einhergehende Klangvielfalt der Bogner-Verstärker konnten selbst so kritische Gitarristen wie Jerry Cantrell, Lyle Workman, Wes Borland, Chris DeGarmo, Keith Urban, Richie Sambora und viele andere überzeugen.

Da nur hochwertige Komponenten verwendet und mit einem an "Kunst" grenzenden Sachverstand miteinander verlötet werden, erscheint der exzellente Ruf der Bogner-Verstärker fast wie eine grobe Untertreibung. Ebendieser soundbesessene Bogner hat sein ganzes Fachwissen in die Entwicklung der Spider Valve-Serie einfließen lassen. Alle Spider Valve-Amps (112, 212 und HD100) sind waschechte Bogner-Röhrenverstärker, die um die konkurrenzlosen technologischen Modeling-Möglichkeiten von Line 6 erweitert wurden.


LINE 6 UND BOGNER

Wenn man etwas über das Warum und Wie erfahren möchte, wendet man sich am besten direkt an die Quelle. In unserem Fall heißt diese Quelle Darrell Smith, seines Zeichens Leiter der Verstärkerabteilung von Line 6.

Muss doch ein tolles Gefühl sein, wenn man plötzlich mit einem Röhrenverstärker arbeiten darf...

Na und wie! Die Modeling-Technologie von Line 6 hat einen nachhaltigen Einfluss auf die Solidstate-Verstärker ausgeübt. Und das wollen wir jetzt auch mit den Röhrenverstärkern tun. Endlich kann sich jeder selbst aussuchen, wie sein Sound daherkommt: Warm und beinhart dank edelster Röhrenschaltungen, filigran und definiert durch Solidstate-Schaltung oder einfach praktisch, indem man einen POD direkt mit der Beschallungsanlage verbindet. Auf das begehrte Line 6-Modeling braucht jedenfalls niemand mehr zu verzichten.

Wie verlief die Entwicklungsphase mit Reinhold Bogner?

Reinhold hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung. Er weiß eine Unmenge über "Vintage"- und moderne Röhrenschaltungen, er ist ein Erfinder, ein Fachmann, ein brillanter Ingenieur und hat zudem supergute Ohren am Kopf. Sicher gibt es auch andere Röhrenanbieter, aber niemand kann Reinhold das Wasser reichen. Seine Erfahrung und Sachkenntnis sind schier unerschöpflich. Wen wundert’s da, dass er schon jetzt eine Legende ist? Wie ein Besessener hat er immer wieder am "Feel" und Sound der Spider Valve-Serie gefeilt, bis auch er zufrieden war. Und das hört man, glaube ich, sehr gut.

Welche Anforderungen bzw. Aspekte seiner Schaltungen haben dich am meisten beeindruckt?

Es sind vor allem viele kleine Dinge, die seine Schaltungen so einzigartig machen. Deshalb hat Bogner immer wieder auf die Verwendung hochwertiger Komponenten gepocht, also z.B. Celestion Vintage 30-Lautsprecher und Sprague Orange Drop- sowie Wima-Widerstände in der Röhrensektion. Er hat uns sogar vorgeschrieben, welche Muttern und Schrauben wir verwenden müssen. Das summiert sich zu einem Gesamtkunstwerk.

Welche Erwägungen spielten bei der Wahl und Verschaltung der Röhren eine Rolle?

Die Modeling-Sektion von Line 6 ist mit zwei 12AX7 Vorstufenröhren verbunden. Die erste Röhre fungiert als kaskadierte Verstärkungsstufe, wobei jede Stufe weitere komplexe Obertonstrukturen hinzufügt, die für Röhren-Freaks so unverzichtbar sind. Dahinter befindet sich der MASTER VOLUME-Regler, der ebenfalls mit einer 12AX7 (für das Phasensplitting) verbunden ist. Und das geht dann in die Sovtek 5881WXT/6L6. Die Combos enthalten 2 6L6 Röhren (40W, "Class AB"), der Top hingegen 4 solcher 6L6 (100W, "Class AB").

Heißt das, dass der Vorverstärker und die Endstufe rein auf die Röhrenmagie setzen und dass hier folglich keine Rede sein kann von einem Hybridprinzip mit vielen Solidstate-Signalwegen?

Genau! Diese Amps sind keine Hybridteile mit einer winzigen 12AX7 Vorstufenröhre am Eingang oder irgendwo in der Solidstate-Schaltung. Dies ist ein Vollröhrengerät mit der geballten Wärme, Ansprache und Power eines Röhrenteils.

Kann man einen POD an einen Spider Valve anschließen?

Das macht sogar Sinn. Schließlich wissen wir, dass viele Anwender Ihren POD an einen Röhren-Amp anschließen und haben das bei der Entwicklung der Spider Valve-Serie folglich berücksichtigt. Den POD kann man übrigens an den rückseitigen Endstufeneingang des Spider Valve anschließen, wenn man das Spider Valve-Modeling nicht benötigt, aber trotzdem röhrig daherkommen möchte (siehe unten). Es klingt jedenfalls super.

Wohin tendiert denn die "allgemeine Geschmacksrichtung"? Eher zum Spider III? Oder eher zum Bogner-Verstärker?

Weder das eine, noch das andere. Die Modelle stammen zwar vom Spider III, mit Clean, Crunch, Insane usw. Aber das "Tuning" und "Voicing" des Spider Valve-Designs und seine zahlreichen "Mid Gain"-Sounds sind unverwechselbar.