Gitarren-Sessions: Wie die Line 6 JTV-89 Gitarre und der HD500 Multi-Effektprozessor mir bei Studio-Sessions helfen
   


Gitarren-Sessions: Wie die Line 6 JTV-89 Gitarre und der HD500 Multi-Effektprozessor mir bei Studio-Sessions helfen

ronZunächst möchte ich alle wachrütteln:
ALLE SESSION-GITARRISTEN MAL KURZ HERHÖREN!
Ich werde oft gefragt, welches Material ich im Studio verwende. Darüber habe ich zwar schon ein paar Mal geschrieben, aber ich habe mir unlängst eine weitere Gitarre zugelegt. Im Zusammenspiel mit meinem nicht-mehr-ganz-so-neuen Line 6 POD HD500 Multi-Effektprozessor hat sie mir im Studio mächtig Schub gegeben! Die Gitarre heißt JTV-89 und ist ein Modeling-Instrument, das mit dem HD500 kommunizieren kann.
Den HD500 habe ich mir voriges Jahr zugelegt – und auch schon berichtet, wie zufrieden ich mit dem Teil bin. “Wunschlos glücklich” trifft den Nagel auf den Kopf. Das Teil hat sich inzwischen zu meiner rechten Hand gemausert – ich kann nicht mehr ohne. Und ich entdecke noch täglich weitere spannende Möglichkeiten.
Vor ein paar Monaten habe ich mir außerdem eine JTV-89 Gitarre gekauft. Anfangs schämte ich mich sogar ein wenig dafür, weil ich gitarrenmäßig eigentlich schon reichlich bedient war: Ich besitze so viele, dass ich sie mittlerweile viel zu selten spiele! Außerdem wurde mir die neue mit einer Warnung übergeben: Ich sollte ihr ein paar Monate Zeit für die Eingewöhnung lassen. Das erschien mir zwar befremdlich, aber ich habe sie trotzdem genommen.
Die Gitarre ist perfekt verarbeitet und wurde von James Tyler entwickelt. Blutrot, mit einem “schnellen” Hals, wie man ihn sich heutzutage wünscht. Die vorhandenen Saiten habe ich gegen 009er ausgetauscht, und schon konnte es losgehen. Ihre Spielkultur ist phänomenal. Und der Sound? Hervorragend, wenn auch anfangs etwas verwirrend. Die angebotenen Modelle sind nicht nur mannigfaltig, sondern auch unglaublich gut.
Allerdings musste ich mich erstmal daran gewöhnen, dass ich zwar eine Strat, Tele, Les Paul usw. HÖRTE, aber weiterhin dieselbe Gitarre in den Händen hielt! Ferner dauerte es eine Weile, bis ich alle Sound-Variationen ausprobiert hatte! Jede Gitarre hat schließlich ihre Stärken und Schwächen, an die man sich erstmal gewöhnen muss. Bei 28 Instrumenten –bzw. 29, wenn man die magnetischen Tonabnehmer dazuzählt– dauert so etwas entsprechend länger!
Aber ich will Sie nicht langweilen. Es gab Tage, an denen ich fast verzweifelte und andere, an denen ich überglücklich war. Als ich sie dann mit dem HD500 kombinierte und auf der Gitarre meine Favoriten ausgemacht hatte, gab es für mich kein Zurück mehr! Ich war richtig angefixt. Meine übrigen Gitarren habe zwar noch nicht ausrangiert, aber endlich kann ich meine Aufgabe besser, schneller und kreativer erfüllen als je zuvor. Betrachten wir doch einmal zwei Standardsituationen.
Szene 1—Sessions in der “guten alten” Zeit: Im Laufe einer Session passierte es oft, dass die gewählte Gitarre meiner Meinung nicht wirklich zum Song passte, dass mir also eine Strat oder Tele doch besser erschien als eine Les Paul oder 335. Folglich musste ich mir eine andere Gitarre holen, sie richtig stimmen und beurteilen, ob der Amp immer noch den richtigen Sound erzeugte. Wie oft habe ich danach außerdem einen anderen Amp gewählt und die Mikrofonierung verändert bzw. die Effekte oder die Box ausgetauscht… Und wie oft habe ich schließlich alles verändert! Dabei blieb der “Vibe” auf der Strecke, also musste man sich erst wieder eingrooven. VERSTEHEN SIE, WAS ICH MEINE?
Szene 2—“Funktioniert” der Sound nicht? Dann drehe ich einfach am Regler auf der Gitarre und wähle einen anderen. Die Stimmung des Instruments ist weiterhin perfekt und ich kann quasi sofort weiterspielen. Passt der Amp plötzlich nicht mehr so gut? Dann füge ich oft ein zweites Modell hinzu oder wähle andere Mikrofonmodelle. Oder eine andere Box. Oder ein anderes Verstärkermodell bzw. einen anderen Effekt. Mittlerweile verfüge ich über zahlreiche eigene Sounds, die ich blitzschnell aufrufen kann. Ich habe mich richtig an dieses System gewöhnt und kann ganz intuitiv Änderungen vornehmen, die den Part noch mehr auf den Punkt bringen. Also nix mit erst groß nachdenken und dann etwas ausprobieren… Endlich gefährde ich meine kreative Arbeit nicht mehr mit Wechseln in meinem Gerätepark. Ich bleibe sozusagen in der kreativen Gehirnhälfte: Mein Equipment behindert mich nicht länger, sondern unterstützt mich bei der Arbeit. Unter dem Strich kann ich meinen Kunden mehr bieten als je zuvor!
Wenn man mich für einen Gitarrenpart mietet, muss ich liefern, was der Kunde erwartet. Manchmal brauche ich die Parts nur abzulesen, in anderen Fällen erklärt man mir, wie man es sich ungefähr vorstellt. Ich muss die Erwartungen natürlich erfüllen. Allerdings kann ich meine Kunden jetzt auch überraschen, indem ich Dinge anbiete, an die sie nicht gedacht hatten, so z.B. eine filigrane 12-saiter-Gitarre im Refrain oder einen völlig abgedrehten Sound in der zweiten Strophe. Ein wahrer Ohrenschmaus! Keyboarder machen das bereits seit Jahrzehnten – jetzt können wir das endlich auch!
Das Ergebnis: Man kann schneller, effizienter und flexibler arbeiten. Und der Preis für diese Wundertüte ist nichts im Vergleich zu einem hochkarätigen Amp mit einer guten Gitarre und mehreren Effektpedalen. Hier bekommt man mächtig Bums fürs Geld. Die Anlage kann einfach alles und macht ihre Sache hervorragend.
Ich muss mich langsam kurz fassen. Die alternativen Stimmungen, die “High-Gain”-Modelle, die Signalketten im HD kann ich unmöglich noch in diesem Blog-Post erläutern. Deshalb habe ich ein Video vorbereitet, in dem ich zunächst mein Setup vorstelle. So um die 6:50” beginnt die Sound-Vorführung. In weiteren Videos und Blog-Posts werde ich mehrere Aspekte detaillierter vorstellen. Fazit: Ich werde meine gesammelten Gitarren weiterhin hegen und pflegen. Für die Session-Arbeit dagegen sind die JTV-89 und der HD500 jetzt bereits meine Standardausrüstung.
Bis demnächst…

Ron Zabrocki über Ron Zabrocki : Ich bin ein Session-Gitarrist aus New York, der jetzt in Connecticut wohnt. Ich begann mit 6 Jahren Gitarre zu spielen und lernte auch gleich Noten lesen. Für mich war dies ganz normal, und lange Zeit dachte ich, alle Gitarristen können Noten lesen! Innerhalb weniger Jahre konnte ich so gut wie alles vom Blatt spielen, was mir als Session-Gitarrist sehr geholfen hat. Ich habe bei allen, die mich nicht abwimmelten, Unterricht genommen und hatte das Glück, dass ein paar hervorragender Lehrer darunter waren, so z.B. John Scofield, Joe Pass und Alan DeMausse. Ich habe unzählige Jingles eingespielt. Das tue ich bis heute, allerdings schreibe ich die Jingles heutzutage oftmals auch noch selbst. Ich habe für mehrere Musiker, deren Namen hier nichts zur Sache tun, als “Ghost-Gitarrist” fungiert. Sie werden dafür bewundert, aber ich habe das Geld eingesteckt! Ich werde für unterschiedliche Musikstile, von Pop bis Jazz, gebucht.

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