James Tyler Variax und POD HD – Tipps für tolle Akustik-Sounds
   


James Tyler Variax und POD HD – Tipps für tolle Akustik-Sounds

21. September 2013 Ohne Kategorie
Veröffentlicht von seanhalley

Wenn es einen Themenkreis gibt, zu dem mir die Zuschauer der Line 6-Videos die meisten Fragen stellen, dann ist es ganz sicher, wie man mit der James Tyler Variax einen vernünftigen Akustik-Sound hinbekommt. Persönliche Meldungen, E-Mails und YouTube-Kommentare zu bestimmten Videos, die ich veröffentlicht habe, deuten darauf hin, dass viele Anwender hierzu Fragen haben. Also möchte ich hier ein paar Antworten geben.

Allen voran spielt die Saitenstärke eine wichtige Rolle – genau wie bei einer echten akustischen Gitarre. Eine Gitarre klingt mit 008-Saiten bisweilen radikal anders als mit einer 011-Besaitung. Mit einer 011-Saiten wirkt sie viel kräftiger und lauter als mit dünneren Saiten… Außerdem rutschen die Saiten weniger im Sattel hin und her, weil der Zug bei Verwendung der Standardstimmung weitaus höher liegt. Eventuell fehlen Ihnen dann aber andere gefällige Eigenschaften, darunter jener Glanz und der leichte Gummibandeffekt bei Verwendung einer tieferen Stimmung, allerdings wirkt die Gitarre mit stärkeren Saiten in der Regel einfach kräftiger.

Gleiches müsste demnach auch für Akustik-Modelle gelten – und das ist tatsächlich der Fall. Je stärker die Saiten, desto fester sitzen sie im Sattel. Der höhere Saitenzug bringt die Decke dadurch intensiver zum Schwingen – und das führt zu einem breiteren Sound.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Umstand, dass die Saiten einer A-Gitarre fast immer aus Bronze oder Messing gefertigt sind und folglich ganz anders klingen als die Nickelsaiten einer elektrischen Gitarre.

Bedenken Sie, dass die James Tyler Variax keine Samples ansteuert: Die Grundlage für alle Sounds sind die vom Piezo-Tonabnehmer im Steg abgenommenen Schwingungen und das Abklingverhalten der Saiten. Folglich spielen die Saitenstärke, die Legierung und das Alter der Saiten eine wichtige Rolle.

Zumal für die Akustik-Sounds hilft Ihnen womöglich folgender Vergleich: Eine James Tyler Variax mit 010-Saiten klingt ungefähr wie eine akustische Martin® HD-28® mit 008-Saiten. Eine Dreadnought mit hauchdünnen Saiten erfordert mehrere Anpassungen: Man darf die Saiten nicht zu hart anschlagen, weil das schon dann unangenehme Geräusche erzeugt, bevor sich die Decke überhaupt anschickt, etwas stärker zu schwingen.

Damit wären wir bei den Fakten 1 und 2: Meine JTV-Gitarren besaite ich mit 011-Sätzen. Ihre Akustik-Sounds spiele ich wie bei einem akustischen Instrument mit 008-Saiten – also GANZ EINFÜHLSAM. Und das meine ich nicht als Witz.

Dies ist ganz klar die Grundregel für überzeugende Akustik-Sounds einer JTV-Gitarre. Bei Verwendung der elektrischen Modelle dresche ich ab und zu geradezu auf das Instrument ein, nach Anwahl eines Akustikmodells spiele ich dagegen ganz anders.

Der zweite Aspekt ist die Verstärkung – dafür benötigt man eine gute Anlage.

Eine akustische Gitarre sollte prinzipiell nie an einen elektrischen Gitarrenverstärker angeschlossen werden. Selbst wenn man die Pegelanhebung des Vorverstärkers auf den Mindestwert stellt und die Höhen so stark absenkt, dass einem nicht mehr die Plomben aus den Zähnen gleiten, klingt eine akustische Gitarre nur dann gut, wenn der Verstärker alle Frequenzen neutral behandelt und 100% “clean” bleibt.

Fakt 3 und 4: Wenn ich mit der JTV einen akustischen Part spiele, schließe ich sie bevorzugt an die VDI-Buchse eines POD HD500X, POD HD500 oder POD HD Pro an und verzichte auf ein Verstärkermodell. Gleichermaßen würde ich den Akustik-Sound niemals zu einem DT25 oder DT50 Verstärker übertragen. Dafür verwende ich bevorzugt StageSource L2- oder StageSource L3-Boxen bzw. eine Direktverbindung mit Pro Tools HDX oder dem FOH-Pult.

Es gibt mehrere Ansätze für die Vorbereitung eines befriedigenden Akustik-Sounds mit einem POD HD. Vorher mochte ich Ihnen jedoch den ungeschönten Sound der Gitarre vorführen.

Im folgenden Beispiel hören Sie das Akustik-Modell der Wahlschalterposition “5” ohne irgendeine Bearbeitung: Auf dem POD HD Pro habe ich einen initialisierten Speicher gewählt. Das Signal wird über die XLR-Ausgänge zu zwei Mikrofonvorverstärkern und von dort zur Pro Tools HDX übertragen. Mehr passiert hier nicht:

Wenn Ihre James Tyler Variax also bereits die aktuelle Firmware-Version enthält und bei Verwendung eines initialisierten POD HD-Speichers nicht annähernd wie bei mir klingt, stimmt etwas nicht mit Ihren Einstellungen. Fassen wir die drei wichtigen Aspekte noch einmal zusammen: Ich benutze 011er-Saiten, ein scharfes Plektrum und meine Finger, schlage aber nur ganz leicht an.

Wenn Sie diesen Grund-Sound der akustischen Variax-Modelle bei Ihnen hören, können Sie sich an die Feinarbeit machen. Ein möglicher Ansatz wäre (siehe mein “CustomTone”-Profil):

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Im Grunde passiert hier erschreckend wenig: Vor dem Mixer befinden sich ein EQ, mit dem ich den Bereich um 220Hz abschwäche, dahinter ein Röhren-Limiter, der die Transienten bändigt und ein Hauch Plattenhall, der den Sound breiter macht. Es kommt kein Verstärkermodell zum Einsatz – und erst recht keine brachiale EQ-Korrektur. Das klingt dann so:



So einfach geht das. Alles andere wäre übertrieben. Folglich brauchen Sie sich nur daran zu gewöhnen, möglichst leicht anzuschlagen, damit die Akustik-Gitarre nie unangenehm klingt.

Hoffentlich hilft Ihnen das. Wenn Sie noch weitere Hörproben mit diesen Einstellungen verköstigen möchten, finden Sie hier ein Beispiel:

Bis demnächst,
S.