Scott Henderson verwendet eine Variax für Aufnahmen mit einer Jazz Fusion-Supergruppe
   


SC_quote DE“Statt mir eine Archtop zu mieten… habe ich einfach meine Variax verwendet.” Anfangs mag es sich komisch anhören, dass einer der innovativsten und einflussreichsten Jazz-Fusion-Gitarristen ausgerechnet aus der Blues-Ecke kommt – aber im Falle Scott Hendersons sollte man sich über rein gar nichts wundern. Während seiner Arbeit als Gründungsmitglied von Tribal Tech bis zu Projekten mit Jean-Luc Ponty, Chick Corea, Joe Zawinul und anderen hat Henderson einen unverkennbaren Stil entwickelt, der den progressiven Charakter von Jazz-Fusion mit der Seele des Blues verbindet.

Im Laufe der Jahre wurde Henderson mit Auszeichnungen von “Guitar Player”, “Guitar World” und weiteren Zeitschriften überhäuft, was ihm prompt eine enorme internationale Fangemeinde bescherte. Sein neues Projekt beruht auf der Zusammenarbeit mit den Großmeistern Jeff Berlin (Bass) und Dennis Chambers (Schlagzeug) und hört auf den Namen “HBC”. Die Studioaufnahmen für diese Combo wollte er spontan mit seiner Variax bestreiten.

Im Studio mit HBC
sc newsAnfangs konzentrierte sich HBC vornehmlich auf Live-Auftritte. “Live-Gigs hatten eindeutig Vorrang”, erläutert Henderson. “Erst nach drei Tourneen haben wir überhaupt eine Studioaufnahme in Erwägung gezogen. Und für dieses Studioprojekt fand ich es cool, Songs von Keyboardern wie Joe Zawinul und Herbie Hancock zu covern – aber ohne Keyboards. Dabei stellten wir sehr schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen ähnlich großen Sound hinzubekommen wie bei Verwendung von Synthesizern und Keyboards.”

Auch im Studio scheinen sich HBC auf ihre ausgiebige Live-Erfahrung verlassen zu haben. “Alles wurde an einem Tag eingespielt”, freut sich Henderson. “Uns kam die Session wie ein ganz normaler Gig vor. Ich habe die Daten dann mit nach Hause genommen und ungefähr eine Woche mit jedem Song zugebracht, der noch weitere Ebenen zu benötigen schien. Das Finden der richtigen Gitarren-Sounds für die einzelnen Parts erwies sich als ziemliche Tüftelei, weil ich den Keyboard-Sounds so nahe wie möglich kommen wollte. Folglich habe ich unzählige Pedale verwendet.”

quote 2 de Variax – Just What the Tone Doctor Ordered
Das titellose Album von HBC enthält eine Vielzahl Gitarren-Sounds, vom “High-Gain” Blues-Vibe (“Wayward Son of Devil Boy”) bis zu den cleanen Funk-Sounds von “Actual Proof”. Für den Wayne Shorter-Klassiker “Footprints” hatte sich Henderson für eine traditionelle Jazz-Arbeitsweise entschieden – nur fehlte ihm die dafür notwendige traditionelle Jazz-Gitarre.

“Statt mir eine Archtop zu mieten, auf der ich übrigens gar nicht gerne spiele, habe ich einfach meine Variax verwendet.” “Das ‘Jazzbox’-Modell bietet einen herrlichen Sound, und die Spielkultur der Gitarre ist einfach enorm. Schon allein der Sound sorgte dafür, dass ich ganz anders spielte als sonst, und das mag erklären, warum sich der Song von den übrigen abhebt. Jedenfalls fühlte ich mich einen Song lang wie ein traditioneller Jazz-Gitarrist. Meine Freunde, die ebenfalls eine semi-akustische Jazzgitarre spielen, waren beeindruckt – sie wollten mir nicht glauben, dass ich auf einer Variax spielte.”

Anstehende Projekte
sc img 2Wie geht es jetzt weiter für einen Gitarristen, der schon fast vier Jahrzehnte in vorderster Front die Entwicklung der Fusion-Musik mitbestimmt? “Tribal Tech spielen im März in Asien und hoffentlich auch in Europa, und gleich danach gehe ich mit meinem Trio auf Tour”, erklärt Henderson. “Dann wäre da noch ein Studioprojekt mit dem Schlagzeuger Alan Hertz und Travis Carlton am Bass. Momentan schreibe ich die Songs für jenes Album und bereite mich auf die Session vor.”

Weitere Infos, siehe http://www.scotthenderson.net.